mit diesem Gedanken bin ich heute aufgewacht. Ich will nicht jeden Tag fünf Energydrinks konsumieren müssen (ekliges Zuckerzeugs), mich auf Flugplätzen und Rennstrecken rumtreiben und nicht mehr wissen, was ich mit meinem Geld tun soll.
“Jeder kann ein Mateschitz werden” – über den Satz hat Spindelegger vielleicht lang nachgedacht – überlegt hat er sichs offensichtlich nicht.
Der ökologischen Fußabdruck des Herrn Mateschitz lässt sich nicht vermillionenfachen. Es gibt viele Unternehmen, die sich auch über Nachhaltigkeit Gedanken machen – und über Produkte, die es uns ermöglichen, auch unseren Nachkommen noch ein vernünftiges Leben zu gewährleisten. Red Bull ist sicher keine davon. Wenn ich an Red Bull denke, denk ich nicht nur an Flügel, sondern auch an Kolontar – und wie schnell es sich doch verdrängen lässt, wie sich die Produktion von Aluminium für sowas unnötiges wie Getränkedosen auswirken kann.
Und was hat das alles mit Leistung zu tun?
Leistung ist ja das Schlagwort, das die ÖVP seit einigen Jahren trommelt, als hätte sie ein Monopol darauf. Es sei Herrn Mateschitz vergönnt, dass er mit einer Idee Milliarden scheffelt. Aber genau er ist nicht gerade das Sinnbild für Leistung, die zum Erfolg führt. Er sagt ja selbst, dass er kein workaholic ist. Vielmehr hat(te) er den richtigen Riecher und Talent – also Glück. Der Mateschitz-Sager ist also eher ein Aufruf zum Lottospielen, als ein Ansporn. durch brave Arbeit das Leben zu fristen.
Wenn Spindelegger in der gleichen Ansprache von einer “Steuerdiät” redet, meint er dann auch das Mateschitz-Modell? Super, wenn wir alle unser Vermögen in Stiftungen parken, wird sich der öffentliche Haushalt eh erübrigen. Und sowieso keine Politiker, die lt. Mateschitz sowieso nur notorische Lügner sind.
Im übrigen fällt mir zu diesem Absatz des Mateschitz-Interviews auch so einiges ein: “Nein, ich könnte nie Parteiinteressen vor objektiv richtige Sachentscheidungen stellen. Ich glaube nicht, dass durch Diskriminierung der Leistung anderer die eigene Leistung besser wird. Ich bin weder ein notorischer Lügner noch ein sich opportunistisch verhaltender Mensch.”
- Parteiinteressen: was meint er damit? Ideologien oder Freunderlwirtschaft? Ersteres hat damit zu tun, dass PolitikerInnen eben nicht nur an sich selber denken, sondern auf die Auswirkung ihrer Entscheidungen auf andere. Dass dieser Kreis der “anderen” für so manche/n PolitkerIn nur ein eingeschränkter Kreis von guten Freunden ist, ist sicher ein Problem – darum haben wir jetzt auch einen Untersuchungsausschuss.
- objektiv richtige Sachentscheidungen: da ließe sich jetzt philosophieren, woran man die erkennt. Mich macht es eher skeptisch, wenn jemand den Anspruch erhebt “objektiv” zu sein. Jede Entscheidung dient irgendwelchen Interessen. Vielleicht meint Mateschitz damit, dass die Entscheidungen objektiv sind, die seinem Interesse dienen (weil sie seinen Betrieb / sein Vermögen stärken).
- Diskriminierung anderer Leistungen: genau in dem Satz macht er selber das, was er “den Politikern” vorhält.
- notorische Lügner: obwohl ich seit 10 Jahren in der Politik bin, die mir auch schon einiges an Ideologie gekostet haben: des is a Blödsinn. Und einer, der uns seit Jahrzehnten erzählt, dass sein picksüßes Zeug Flügel verleiht – sollte vielleicht mit dem Ausdruck “notorischer Lügner” ein bissl vorsichtiger umgehen.
Bin ich froh, dass ich heute aus diesem Albtraum aufgewacht bin. Eine Welt voller Aludosen-Zuckersirups und Formel-1-Piloten ist nicht meine. Wenn das die “Neue Ideologie” der ÖVP ist, erschreckt mich das zwar – aber es motiviert mich auch. Denn viel klarer hätte Spindelegger uns gar nicht vor Augen führen können, wie weit abgehoben er schon ist!




