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rd 50 Experten saßen heute einer versammelten Öffentlichkeit von etwa 50 BürgerInnen gegenüber, die die Temelin-Roadshow trotz allem live erleben wollten. Auch wenn BM Berlakovich immerhin eine OTS investierte, um die ÖsterreicherInnen zum Stellungnehmen und Fragenstellen einzuladen: die Experten waren bei dieser Veranstaltung meistens in der Überzahl. Eine Woche Vorlaufzeit für einen Während-der-Woche-Nachmittags-Abend-Termin ist halt doch für einige nicht genug – und die wenigsten ÖsterreicherInnen lesen regelmäßig Berlakovich-OTSen. Außerdem war ja allen Anwesenden (vielleicht bis auf den Minister) klar, dass diese Roadshow ein reines Placebo ist.

Alle dort gestellten Fragen müssen von den Betreibern beantwortet werden.“ hat Berlakovich in seiner OTS verkündet. Nachdem er selbst nur kurz zum Schwingen einer Rede bleiben konnte (eine Viertelstunde lang: „Österreich ist gegen Atomkraft“), hat er wahrscheinlich nicht mitbekommen, wie leer dieses Versprechen war! Eine klare und richtige Antwort auf eine einzige Frage wäre schon erfreulich gewesen.

Haftung? Das Ding ist so sicher, dass das Unfallrisiko so minimal und die Sicherheitsvorkehrungen so maximal sind, dass faktisch auszuschließen ist, dass ein Unfall passiert. Und wenn, dann sind die Auswirkungen so gering, dass faktisch auszuschließen ist, dass Österreich betroffen sein könnte. Wobei schon klar ist, dass der Begriff „faktisch auszuschließen“ in diesem Fall nur für die tschechische Delegation zutrifft.
Deshalb reichen auch die 8 Mrd Kronen Haftungssumme (rd. 350 Mio Euro) völlig aus, um mögliche Schäden zu decken.
(Anm. der Red.: Versicherungssumme für meinen PKW: 10 Mio Euro – und der hat keine 5-7 Mrd gekostet, wie so ein patschertes AKW)
Fukushima? Ja, daraus wollen wir unsere technologischen Lehren ziehen, wenn wir genau wissen, was dort eigentlich passiert ist.
Tschernobyl? Ach das ist ja schon so lange her – seither ist die Technologie viel ausgereifter.

60 Jahre Laufzeit? Wir werden die Vorschriften zur Periodischen Sicherheitsüberprüfung alle 10 Jahre sehr ernst nehmen und das Ding sehr gut in Schuss halten.  (Anm. der Red.: Für mein Auto brauch ich jedes Jahr ein Pickerl). Ja wir wissen schon, dass die Unfallhäufigkeit mit dem Alter steigt – aber nachdem sowieso nix passieren kann, kann auch in 60 Jahren nix passieren

Endlager? planen wir eh…
Monitoring dafür? Es reicht, zu dokumentieren, was da unten liegt, damit die Menschen nicht runtergehen. Und wenn sie das mal nicht mehr wissen – dann haben sie eh schon andere Sorgen.

Flugzeugabstürze? Haben wir getestet und halten sie natürlich aus. Wie wir das getestet und was genau dabei rausgekommen ist, ist aber streng geheim, das werdet ihr sicher verstehen.

Terror & Cyberkriminalität? Ja, das wird sicher mehr. Aber nachdem ja auch im Fall eines Unfall nix passieren kann, kann ja auch da nichts passieren.

Welcher Reaktor? Na der, dessen Erzeuger uns im Juli das überzeugendste Angebot vorlegt. Dabei wird nach ökonomischen und nach wirtschaftlichen Kriterien entschieden. Eh klar!

Studien Leukämie? Ist doch alles nicht ernst zu nehmen. Im Rahmen von 5 km rund ums Kraftwerk wär das ja auch max ein Kind betroffen. Außerdem hängt das auch damit zusammen, dass Menschen von der Stadt aufs Land ziehen und umgekehrt. (Anm. der Red.: das war ernsthaft eine Experten-Aussage, wenn auch etwas verkürzt).

Förderungen? Warum sollen nur erneuerbare Energien Förderungen bekommen? Auch Atomstrom schont das Klima, weshalb wir auch gut an den CO2-Zertifikaten verdienen (für die wollen wir deshalb künftig einen hohen Fixpreis pro Tonne). Nachdem wir den Brennstoff importieren, könnt ihr uns auch den CO2-Ausstoß und die Umweltzerstörung des Uranabbaus nicht anrechnen. Atomstrom ist sauber.

Zusammengefasst: Ihr Österreicher müsst akzeptieren, dass wir Tschechen die Atomkraft forcieren wollen. Eure Bedenken teilen wir nicht. Unsere Bevölkerung will die Atomkraft, weil sie weiß, dass die Strompreise ohne AKWs ins unendliche steigen würden. Für Erneuerbare Energien haben wir 1,8 Mrd investiert, das ist zu viel. Da bauen wir doch lieber ein AKW um 5-7 Mrd.
Und bitte freuts euch doch darüber, dass wir hier heute mit euch sitzen.

Weiter gehts am 22. Juni in Budweis be der „richtigen“ Anhörung – wo wir uns mit tschechischen und deutschen AktivistInnen einen Termin teilen. Und auch wenn das jetzt klingt, als wäre der Kampf gegen Temelin 3&4 verloren: steter Tropfen höhlt den Stein und die Finanzierung für das Projekt steht noch nicht.

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