ÖBB Chef Kern kann heute medienübergreifend zum Sparefroh des Tages gekürt werden. Der Kurier berichtet von einer Konsolidierung des “laufenden Geschäftes” – von einem Abgang um die 300 Mio jährlich auf 28 Mio – mit dem Ziel, künftig schwarze Zahlen zu schreiben. Wie das gehen soll? Personalabbau, golden Handshakes (gibts da nicht andernorts Debatten über Frühpensionen???).
Aber auch bei den Investitionen soll laut Standard gespart werden: 1 Mrd – aber nicht bei Großprojekten, sondern “im Kleinen”. Das wäre dann was? Die Elektrifizierung des Marchegger Asts (Bratislava) scheint das einzige Beispiel zu sein, das Kern sich anzugeben traut.
Das heißt was? PendlerInnen und Pendler warten vergeblich auf Verbesserungen im täglichen Bahnverkehr -
und weil die ASFINAG nicht spart (bzw. notfalls das Land die Vorfinanzierung der “dringend notwendigen” neuen Autobahnen übernimmt) geht es weiter wie gehabt: das Geld fließt in die Straße und die Schiene dümpelt weiter vor sich hin.
Seit Jahren beruhigt uns die Regierung mit der Masche “mehr Investitionen in die Bahn” – und listet uns einen Haufen Großprojekte auf. Die, für die PendlerInnen dringend notwendige Verbesserung im “täglichen Verkehr”, wie die Beseitigung von Langsamfahrstellen oder eben die Elektrifizierung von Bahnstrecken und der Erhalt von Zubringerstrecken sind offenbar kein “Auftrag der Politik”, da kann Kern jetzt selbständig den Rotstift anbieten.
Ist ja wurscht, ob BahnpendlerInnen aufgrund von Engstellen täglich ein paar Minuten “verlieren” – Hauptsache an den “großen Tunnellösungen” wird nicht geschraubt. Und solange die PendlerInnen drauf angewiesen sind, werden sie ja trotzdem fahren (bis daneben die Autobahn gebaut ist).
Ich erlebe es dzt Hautnah am Umbau des Bahnhofs Korneuburg: abgesehen davon, dass die Gemeinde zum (dringend notwendigen) Umbau ein paar Millionen “dazulegen” darf und v.a. laufende Kosten (Liftbetreuung etc.) übernehmen muss (weil das halt jetzt so ist und die ÖBB das mit allen Gemeinden so ausgemacht hat): Die Kalkulationen sind spannend. 1 Mio Euro kostet ein Lift für die Bahn – anderswo macht das 1/10 der Summe aus, nochmal 1 Mio für einen 2. Ausgang (also die halbe Unterführung durch die Gleise). Und diese Liftkalkulation findet sich derzeit durchgehend in vielen Bahnhöfen, die endlich behindertengerecht gemacht werden.
Wenn Herr Kern sich schon “das Kleinvieh” anschaut, dann wäre ein Blick ins Detail doch angebracht.