Vom Allheilmittel Kernfusion verspricht sich die Österr. Bundesregierung ja die Lösung aller Energieprobleme – ganz risikofrei (weil Kernfusion hat ja nix zu tun mit Kernspaltung).
Diese Einstellung wurde offenbar nie hinterfragt – denn man braucht kein Physikstudium, es genügt heutzutage ja schon ein Blick ins Wikipedia:
Für die Energiegewinnung aus Kernfusion (falls es jemals dazu kommt) wird man Tritium brauchen. Es gibt auf der Erde ca. 3,5 kg Tritium aus natürlicher Produktion, das sich zu 99 % in oberflächennahen Schichten der Ozeane befindet. Das wird sich nicht ausgehen (abgesehen davon, dass sie’s schwer zusammensammeln könnten). In mit Schwerwasser moderierten Reaktoren fällt Tritium in einer Menge von rund 1 kg pro 5 GWa (Gigawattjahre) erzeugter elektrischer Energie als unvermeidliches Nebenprodukt an und kann per Extraktion aus dem Kühlwasser gewonnen werden.
Die Umsetzung von 1 kg Deuterium-Tritium-Gemisch im Kernfusionsreaktor liefert eine thermische Energie von rund 100 Millionen Kilowattstunden (100 Gigawattstunden, GWh) oder 12,3 Mio kg SKE. Bei einem angenommenen Wirkungsgrad eines Fusionskraftwerkes von 35 % (vergleichbar einem heutigen AKW) ergibt das eine elektrische Energie von 35 GWh. Deutschland benötigte im Jahr 2009 etwa 580 TWh (Terawattstunden) elektrische Energie – d.h. die 35 GWh aus dem kg Deuterium-Tritium-Gemisch ergeben 0,006 % des jährlichen Energiebedarfs Deutschlands. Hopplahopp
Das heißt: ohne Kernspaltung wird das mit der Kernfusion nix – und auch Tritium ist radioaktiv. Und neben der Sonne ist das bekannteste Beispiel für Kernfusion die Wasserstoffbombe.
Die Wissenschaftsministerin sieht das aber anders. Sie betont in Ihrer Anfragebeantwortung zum Fusions-Forschungsreaktor ITER (http://www.parlinkom.gv.at/PG/DE/BR/AB-BR/AB-BR_02553/fname_193400.pdf): “Einleitend muss ich festhalten, dass sich Österreich gemeinsam mit allen anderen Mitgliedstaaten weiterhin zu diesem internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekt im Sinne einer langfristigen, alle Möglichkeiten sondierenden und global orientierten Zukunftssicherung bekennt.”
Herrliche Zukunftsaussichten! Auch wenn ichs nicht erleben werde – diese “global orientierte Zukunftssicherung” klingt für mich schwer nach einer gefährlichen Drohung!
“Kernfusion ohne Kernspaltung – geht das?”
Nun, das wird sich zeigen, vielleicht geht es:
http://www.ipp.mpg.de/ippcms/de/pr/publikationen/pdf/berichte.pdf
Auch wenn ich mich als grundsätzlich vorsichtiger, skeptischer Mensch nicht dazu hinreißen lasse, mit Sicherheit vom Erfolg der Möglichkeit auszugehen, das (in der ersten Generation von Fusionsreaktoren) benötigte Tritium durch Lithium/Blei oder Lithium/Beryllium aus den bei der Fusion selbst entstehenden Neutronen zu gewinnen – also ganz ohne die Beteiligung von Uran/Plutoniumreaktoren, darf die Behauptung, es gäbe keine Kernfusion ohne Kernspaltung, ohne die Forschungsergebnisse des ITER bezüglich geeigneter Blankets abzuwarten, nicht unwidersprochen bleiben.