wenn ich mich nur zwischen ihm und rosenkranz entscheiden könnte.
was ist das für ein demokratiebewusstsein des herrn ex-innenministers und nun am abstellgleis-delegationsleiter der övp-eu-delegation, das da in seinem interview zum thema bundespräsidentschaftswahl rauszulesen ist?
fischer unwählbar, weil sozialdemokrat, rosenkranz auch unwählbar (ohne begründung), dass die övp keinen kandidaten aufgestellt hat ok – sollen halt alle schwarzen, so wie er, weiß wählen, denn das wäre ja ein ach so demokratischer akt! sehr geehrter herr strasser – das ist kein demokratischer akt – das ist feigheit!
was ist der demokratische akt am weißwählen, wenn man gar nicht wollte, dass ein weiterer kandidat (in dem fall övp) zur wahl steht? herr strasser verwechselt da wohl demokratie mit machtpolitik (wenn wir schon nicht gewinnen können, dann sollen wenigstens die roten auch einfahren).
ein rechenbeispiel dazu: die stimmen von der nationalratswahl umgelegt auf die strasser’sche wahlformel:
2008 gabs 26 % für die övp, 29 % für die spö, 18 % fpö, 10,5 % grüne und 10,5 % freiheitliche und rd. 4 % kpö,fritz,lif…
grüne uns spö wählen fischer – övp wählt weiß und bzö und fpö rosenkranz, das ergäbe 58 % fischer und 42! % rosenkranz.
ein wahlergebnis, vor dem sich jeder demokrat fürchten müsste! berücksichtigt man noch, dass diverse umfragen inzwischen die övp vor der spö sehen… brrrrr!
man muss kein politisch hochgebildeter mensch sein um zu wissen, dass frau rosenkranz dem rechtsrechten eck der fpö entspringt. und man muss nicht politologie studiert haben, um zu erkennen, dass weißwählerInnen in kaum einer statistik aufscheinen.
auch machtpolitiker wie herr strasser können rechnen – und müssen damit rechnen, dass ein signifikantes ergebnis für frau rosenkranz uns im ausland wieder als “naziland” erscheinen lässt (und gegen frau rosenkranz war jörg haider ein liberales waserl).
der einzige fehler, den fischer in strassers augen als bundespräsident gemacht hat, ist, dass er ein sozialdemokrat ist. mir würden zu strassers amtszeit als innenminister (seit er im eu-parlament ist, hört man ja auch von ihm kaum mehr was) viel mehr fehler einfallen – trotzdem würde ich ihm bei einer stichwahl gegen frau rosenkranz meine stimme geben (allerdings würd ich in dem fall noch viel mehr darüber fluchen, dass die grünen keinen eigenen kandidaten aufgestellt haben) die wahl des kleineren übels ist auch ein demokratischer akt – und wäre bei der bundespräsidentenwahl auch ein wichtiger akt, um zu zeigen, dass österreichs demokratie noch einigermaßen in ordnung ist!
das strasser-interview finden sie unter http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100406_OTS0175 (leider funktioniert die hyperlink-taste heut nicht ;-)
p.s.: meine erste wahl war die landwirtschafts-kammerwahl. damals gabs auch nur rot und schwarz – und ich hab trotzdem nicht weiß gewählt…
Stimmt, “Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf”.
Auch wenn’s noch nicht annähernd so weit ist, aber wenn ein richtiges Charisma auf die falschen Werte trifft, kann’s dann schnell gehen, wie man bei Haider gesehen hat.
Das seh ich jetzt mal bei Rosenkranz nicht so, weil sie ihr Mutterkreuz voll Stolz trägt, was dann doch den meisten suspekt ist. Und auch der Strache ist zwar auf den ersten Blick schlau und sympathisch, im Vergleich zum Haider aber zum Glück ein geistiges Nackerbatzerl.
Aber: Viele von den zunächst Weißwählen-Wollenden werden sich letztendlich doch denken “wozu geh’ ich denn dann eigentlich noch hin” und zuhause bleiben. Schlimme Sache, was die ÖVP da aufführt, und nicht einmal in ihrem besten Interesse.
Ich hab’ nämlich das Gefühl, dass die über Generationen aufgebauten Resentiments gegen die “Roten” bei vielen Schwarzen so ausgeprägt sind, dass ihnen wirklich alles andere egal ist, Hauptsache nicht rot. Und das Verhalten wie von Strasser ist dann die “logische” Konsequenz daraus. Die sind noch nicht dort angekommen, dass wir eigentlich drei 20-25% Parteien haben und der wahre – und noch dazu antidemokratische – Gegner eigentlich ein anderer ist.
Was mich jedoch freut, ist, dass sogar die Krone schon nach kurzer Euphorie in die Knie gegangen ist und von Rosenkranz die notarielle Erklärung gefordert hat. Das macht Dichand nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil er dann doch gesehen hat – bei aller berechnenden Provokation und Bestrafung des nicht-Krone-Hörigkeitswilligen Fischer – dass das Kellernazitum von Rosenkranz definitiv nicht mehrheitsfähig ist.
Meine Tausend-Gulden-Frage ist jetzt, ob nicht der richtige Grün-Kandidat die ganzen konservativen Stimmen hätte einsammeln können?
lieber Bobo,
die tausend Gulden werden dir wohl bleiben *g*
Ehrlich gestanden war ich immer eher gegen eine Grün-Kandidatur, weil die ja tendenziös eher Fischer-Stimmen gekostet hätte. Ja – vielleicht hätten ein paar ÖVPler eher Van der Bellen angekreuzt als Fischer, aber letztlich war Sascha doch auch mal ein Sozi :-)
Aber du hast es auf den Punkt gebracht: diese uralten Ressentiments – ich hoffe nur, die sind auch großteils “Alterserscheinung” und bei den jüngeren lässts nach. Ist es umgekehrt auch so? Würde ein “Roter” auch eher weiß wählen als einen Schwarzen????
lg
Eli