Unter dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ will LH Pröll nur mehr für gutes Service und beste Verbindungen der ÖBB bezahlen. Damit spielt er sich als Retter für die tatsächlich leidenden BahnpendlerInnen auf.
Wenn der Landeshauptmann auf die ÖBB losgeht, bleibt kein Stein auf dem anderen. Kein Geld für die ÖBB, wenn sie nicht die Leistungen verbessern. Nur: Wenns kein Geld gibt, müssen Züge eingespart werden – und für die PendlerInnen wird es enger. Mit ÖBB-Bashing ist ihnen auch nicht geholfen!
Wer zahlt, schafft an: 60 Mio Euro für den Nahverkehr sind dem Landeshauptmann zu viel – bei seiner geschickten Zahlenjongliererei vergisst er zu erwähnen, dass davon nur 16 Mio in den Schienen-Nahverkehr gehen. Die ÖBB kontert (zurecht) dass Niederösterreich seit Jahren zu wenig an Schienen-Nahverkehrsmitteln locker macht, sozusagen ein Netto-Empfänger ist – weshalb Zugstreichungen auch vor allem in Niederösterreich stattfinden.
Der Bericht der Schienen-Control-GmbH bestätigt das: Pro Kopf zahlen nur Wien, Salzburg und Kärnten weniger als Niederösterreich – wobei Wien (Wiener Linien) und Salzburg (Salzburger Lokalbahnen) neben der ÖBB auch noch andere Schienennahverkehrsträger finanziert. Mit Kärnten müssen wir uns ja wohl nicht vergleichen! Naheliegender Vergleich wäre Oberösterreich – dort gibts 23 Mio für den ÖBB-Schienen-Nahverkehr!
Wahrlich es gibt genug Kritik an den ÖBB!
Durch die Bundesbahnreform sind die Wasserköpfe mehr und das Personal weniger geworden
- Zur Erinnerung – die ÖBB-Reform war eine Meisterleistung der schwarz-blauen Regierung unter der Maxime des ÖVP Staatssekretärs Kukacka. Sie hat zu einem massiven Personalabbau bei den ÖBB geführt, großteils in Form von „Frühpensionierungen“, die Pröll jetzt kritisiert.
- Während LKW und Busse nur für Autobahnstrecken Maut zahlen, zahlt jeder Zug für jeden Kilometer Schienenmaut. (Die Asfinag-Schulden sind trotzdem in etwa vergleichbar mit denen der ÖBB.).Vielleicht sollte LH Pröll das bei seinem Kostenvergleich Bahn/Bus berücksichtigen (und die 60 Mio nachrechnen).
- Nicht zu vergessen auch die Verluste der ÖBB aus Finanzspekulationen und Immobilienspezialverkäufen, die ja auch auf Kosten des Personalverkehrs gehen. Alles aus der Aera Martin Huber, der als erster schwarzer Bahnschef gehandelt wurde!
Statt kurzfristig erpresserische Töne zu spucken wäre der Landeshauptmann aufgefordert, langfristige Alternativen im Schienennahverkehr zu entwickeln! Wenn ihm die ÖBB zu teuer sind, dann soll er doch mit Privatbahnanbietern verhandeln – aber im Laufe des Jahres und nicht in der heißen Phase der Fahrplanerstellung!