… auch mal Anti-Atom Politik zu machen!
Beim ersten Anti-Nuclear-European Forum (ANEF) in Linz waren viele internationale Gäste zu begrüßen und spannende Vorträge zu lauschen.
Grundtenor der Veranstaltung:
- ANEF als Gegenpol zum ENEF (European Nuclear Energy Forum), das sich nur noch als Plattform der Atomlobby präsentiert, weshalb Umweltorganisationen dort ihre Mitarbeit eingestellt haben.
- ANEF als Vernetzungsprojekt für Anti-Atomgruppen aus ganz Europa – denn Atomgegner gibt es überall (Da waren VertreterInnen aus Tschechien, Slowakei, Deutschland, Finnland, Schwenden, Polen, Russland…)! Österreich als „Wespennest“, in dem Informationen und Zusammenarbeit zusammenlaufen – weil Österreich ja offiziell die Atomkraft ablehnt.
- Atomkraft ist kein Beitrag zum Klimaschutz – auch nicht als „Ergänzung“ zu den Erneuerbaren Energien. Im Bezug auf Netzeinspeisung und Investitionskapital können Atomkraft und Erneuerbare Energien nur als Konkurrenz gesehen werden. Es gibt kein „und“ – es gibt nur ein „entweder oder“! (Aber auch das „weder noch“, das, das die österreichische Regierung derzeit zelebriert, funktioniert nicht.)
Finanziert wurde diese ANEF Veranstaltung vom Budget des oberösterreichischen Anti-Atombeauftragten Radko Pavlovec. Eingeladen waren alle Umweltlandesräte – also auch LR Pernkopf und der niederösterreichische Anti-Atombeauftragte DI Rauter. Gekommen ist eine Riege von Landtagsabgeordneten aus Oberösterreich – und zwei NÖ BundesrätInnen (Karl Boden und ich), kein niederösterreichischer Landesrat und kein Anti-Atombeauftragter.
Oberösterreich (und der Grüne Landesrat Rudi Anschober) hat sich als Bollwerk gegen die Nuklearlobby etabliert – Niederösterreich könnte sich hier ganz einfach anhängen! Eine Möglichkeit für LR Pernkopf, sich endlich auch als Anti-Atomkämpfer zu profilieren. Diese Chance hat er jetzt mal versäumt, aber es ist ja noch nicht zu spät, das nächste ANEF kommt bestimmt!
Für alle, die’s genauer wissen wollen: Kurzzusammenfassung der ANEF-Tagung:
Rund 100 TeilnehmerInnen – viele „internationale“ Gäste – wenige PolitikerInnen. Organisiert & finanziert von Radko Pavlovec & ANEF soll „Gegenstück“ zu ENEF werden.
Eingeladen waren alle Landesräte (also auch Pernkopf) und auch die Regierungsmitglieder – gekommen ist keiner (außer Rudi Anschober und doch einige OÖ Landtagsabgeordnete, BR Boden und meinereine)
Thema: Klimaschutz & Atomenergie
Input von Radko Pavlovec zum Thema „Atomkraft & Klimaschutz am Beispiel Temelin: Durch die Konzentration der Finanzmittel ins AKW gab es keine Effizienzsteigerungs-Investitionen in veraltete Kohlekraftwerke – so gesehen ist Temelin Schuld an einer enormen CO2-Belastung.
Input Charlotte Mijeon (Sortir du nucleaire, France) – es gibt eine Anti-Atom-Szene in Frankreich! Doch der Kampf gegen die übermächtige Atomlobby ist dort besonders schwierig.
Input Jan Haverkamp, Greenpeace EU-Unit – Gegenargumente zu den Lügen der Atomlobby:
- Kein/niedriger CO2-Ausstoß
Atomkraft ist nicht CO2-frei – ENEF-Aussagen dazu sind schlichtweg falsch. Natürlich entstehen durch Uran Abbau- und Aufbereitung etc. Treibhausgase! Eine Studie von Benjamin K.Sovacool vergleicht 103 Studien dazu und kommt auf 1,36 g/kWh bis 288,25 g/kWh – realistisch sind 66,08 g/kWh. - Saubere /nachhaltige Atomkraft als Mittel gegen Klimaerwärmung
Selbst die ambitioniertesten Szenarien (nuclear Energy Agancy 2008) kommen nur auf 1.400 GWe installierte Leistung für 2050! (das sind 6 % des Energiebedarfs). Dafür müssten aber bis 2020 jährlich 10, bis 2030 jährlich 20, bis 2040 40-50 und bis 2050 50-60 Reaktoren JÄHRLICH gebaut werden. - Wir brauchen Erneuerbare Energien UND Atomkraft
Als Ausgleich zu den Erneuerbaren brauchen wir flexible „Zusatzenergien“ – Atomkraftwerke können nicht flexibel produzieren… Z.B. Wind/Solar & Verbrauchsschwankungen – Lösung z.B. Biogas-Feuerung bei Bedarf regelbar.
Conclusio: Zuwächse bei der Atomkraft binden (finanzielle) Mittel, stellen keine „Ausgleichsenergie“ dar und sind daher kontraproduktiv zum Ausbau Erneuerbarer Energieen. Es geht nicht um UND – sondern um entweder oder. (Anm. Eli: Es geht aber auch nicht um weder noch – so wie Österreich das so träumt).
Danach gab’s Diskussion dazu. Ich hab Sicherheitsfrage angesprochen – Jan Haverkamp meint, die neue Generation wäre an sich schon „sicherer“ als die Tschernobyl-Reaktoren – das Problem ist, dass sie unausgereift sind… (Okoliuoto), Mangel an technischem Personal, etc. als Sicherheitsrisiko.
Pause
Vorstellung der Resolution (wird in Kürze unter www.anef.info abrufbar sein. Sie soll an Länder/Bundesregierung und ev. auch andere europäische Regierungen gehen.
Input Jan Beranek, Greenpeace: Negative Auswirkungen der Förderung der Kernenergie auf bessere Lösungen für die künftige Energieversorgung der EU. War ein super Vortrag mit ganz vielen Zahlen und das Prob logisch dargestellt… „Konkurrenz“ Atom/Erneuerbare im Bezug auf Finanzierung, Einspeisung, z.T. auch Raum… „Finanzmogeleien“ im Kampf um Investoren… Zusammenhang gute EE-Gesetze und Atomausstieg (z.B. in D) führt wirklich zu CO2-Reduktionen… – Paper wird unter www.anef.info online gestellt…
Input Regine Richter, Urgewald, Deutschland: Deutscher Atomausstieg? Alte AKWs, Endlagerproblem – EE-Gesetz. Warnung vor der Forderung nach „sicheren Einspeisetarifen für Atomkraft“ à la Ökostromförderung…
Input Vladimir Slivyak, Ecodefense, Russland – russische Reaktoren – Sicherheitsprobleme (z.B. einer der Reaktoren wurde jetzt in China erstmals „getestet“ – die Hälfte der Zeit war er bisher offline wegen Reparaturarbeiten) Exportoffensive (Zusammenhang Gazprom-Erlöse gehen in Ausbau AKWs) – UVP-Verfahren Kaliningrad (in ca 1 Monat) – Hoffnung auf Österr. Beteiligung!!!!! – wurde auch von Jan Haverkamp betont (er ist immer froh, wenn neben Greenpeace auch Österreich am Verfahren teilnimmt – und Kaliningrad wäre eines der nächsten, die ev. Chance haben, relativ „bald“ umgesetzt zu werden…)
Festlegung von Themen für Arbeitsgruppen für ANEF (Finanzierung, Sicherheit, UVP-Verfahren, Klimaschutz, Haftung….)
Abgesehen von der fehlenden PolitikerInnen-Präsenz war das Publikum wirklich sehr spannend und ein Gegenpol zur ENEF wäre nicht nur wünschenswert, sondern wie’s aussieht auch machbar!!!