Um zu wissen, dass Mehrwegverpackungen im Getränkesektor in Österreich massiv an Marktanteilen verloren haben, braucht man keine Studie – ein besuch bei Billa, Spar, Hofer & Co genügt. außer beim Bier sind Mehrweggebinde kaum noch zu kriegen.
Um zu wissen, dass Mehrweggebinde ökologisch sinnvoller sind, als Einweggebinde, reicht ebenfalls der Hausverstand. noch dazu, wenn man berücksichtigt, dass die „stoffliche Verwertungsquote“ in Österreich extrem niedrig ist (und teilweise auch nicht korrekt erfasst wird). Dass die ökologischste Variante der Durstlöschung durch die Wasserleitung gedeckt wird möcht ich an dieser Stelle - ist aber eine andere Geschichte.
Dass das nicht überall so läuft – und auch in Österreich der Weg vom Mehr zum Ein umkehrbar wäre, zeigte sich heute in einer spannenden Konferenz zum Thema Mehrwegverpackungen (organisiert von der wiener MA22 gemeinsam mit dem Ökoinstitut).
Der Ursprung des Übels des österreichischen Weges war die Aufhebung der Mehrweg-Zielquoten in der Verpackungsverordnung 2006. Ohne Verpflichtung waren Handels- und Getränkekonzerne rasch einig: Statt zum arbeits- und platzintensiven Mehrweg geht es zum einfacheren Einweg. Die Nebenkosten (Littering) zahlen ja alle Haushalte über die Gemeindeabgaben mit.
Inzwischen liegt die Mehrwegquote in Österreich nur mehr bei 17 % (bei Softdrinks) und bei 59 % bei Bier. Im Vergleich dazu hat Deutschland mit einem Pfandsystem für Einweggebinde immerhin eine Mehrwegquote von 63 % (bei Softdrinks) und 89 % (bei Bier). Dänemark bringts mit einem ausgeklügelten System auf stolze 80 % bei den Softdrinks und 72 % beim Bier. Lediglich Schweden grundelt noch weiter hinten als Österreich bei 24 bzw. 18 %.
Das Geheimnis der Dänen: Keine Aufhebung der Quote, sondern Maßnahmen, sie zu erreichen (zum Vergleich: 1990 hat die österr. Getränkeindustrie die Quote nicht erreicht – weshalb die Regierung sie einfach gesenkt hat – ist halt der „österreichische Weg“)
- Pfand gibts für Einweg- und Mehrweggebinde (und zwar schon seit 1996) als Anreiz zum „Sammeln“
- Eine Umweltabgabe für PET-Flaschen und Dosen, der abhängig ist von der stofflichen Verwertungsquote (zwischen 11 und 55 Cent) als Anreiz zur stofflichen Wiederverwertung (statt Verbrennung) – davon befreien kann man sich mit einem Beitritt zur Verwertungsgesellschaft.
- Für den Handel gibts einen „Manipulationskostenersatz“ – um ihm die Angst vor den Mehrweg-Umständen (Platz, Arbeitskräfte) zu nehmen.
- Und natürlich gibts eine Quote!
Der Vertreter des Umweltministeriums, Dr. Schober, stieß mit seinen Verteidigungen des österreichischen Systems auf nicht besonders viel Verständnis. Sein Einwand, dass mit Wärmedämmung viel mehr Umweltschutz möglich wäre als it Mehrwegförderung hat einen Haken: Mehrweg ist nicht teurer als Einweg (jedenfalls nicht für die KonsumentInnen, die ja auch die Müllgebühren zahlen)! Förderung von Mehrwegverpackungen können also zusätzlich zur Wärmedämmung eingeführt werden – und damit wird auch nach Dr. Schobers Rechnung die Umwelt am meisten geschont, wenn man einfach beides macht!
Schlusswort: Mich hat schon der Slogan „Geiz ist geil“ wahnsinnig gemacht – bei „Hau weg den Dreck“ drehts mir wirklich den Magen um. Ich mag einfach nicht, dass meine Kids mit solchen Moral-Ansagen erwachsen werden!