Beim heutigen trinationalen Treffen von Grünen aus Deutschland (Bayern), Tschechien (Böhmen) und Österreich (meinereine) gab es regen Gedanken- und Informationsaustausch zum Thema grenzüberschreitender Öffentlicher Nahverkehr.
“Stargast” des Treffens war Michael Cramer, Verkehrssprecher der Grünen im Europäischen Parlament. Mit dabei auch der deutsche Grüne Verkehrssprecher Anton Hofreiter. Das Treffen fand in Haidmühle bzw. Nove Udoli statt, wo eines der Hauptprobleme des grenzüberschreitenden Öffentlichen Nahverkehrs sichtbar wird:
Während auf Tschechischer Seite die Bahn von der Grenze weg bis Budweis, Cicenice oder Strakonice führt (zwar nicht grade im ICE, aber immerhin fährt ein Zug) gibts auf Deutscher Seite nur einen großen Parkplatz. Vor allem für die touristische Nutzung (Haidmühle liegt am Rand des Nationalparks Sumava) wäre die Anbindung wichtig und auch wirtschaftlich zu betreiben! Und sogar heute (Montag) mittags waren schon einige Ausflügler mit dem Zug unterwegs – eben nur bis zum großen Parkplatz von Haidmühle.
Der Personenverkehr von Passau nach Haidmühle wurde nach dem Krieg eingestellt und die Strecke ist inzwischen ein (nicht sehr intensiv genutzter) Radweg. Ein Teil der Strecke (Passau/Freyung) wurde noch bis 2002 genutzt und könnte reaktiviert werden. Darum ist auch der private “Förderverein Ilztalbahn” seit Jahren bemüht.
Und dieses “Muster” zieht sich leider nach wie vor über die drei Länder:
- Der grenzüberschreitende öffentliche Personennahverkehr hat sich seit Ende des Kalten Krieges nicht verbessert – im Gegenteil: Strecken wurden auf Deutscher und Österreichischer Seite eingestellt! (Thayatalbahn, Verbindung Laa/Hevlin, Vernachlässigung der Strecke nach Prag über Gmünd…. etc.).
- Der Bau von Hochleistungsstraßen geht auf Deutscher und Österreichischer Seite flott voran – allerdings ohne Abstimmung mit “der anderen Seite”. So ist die A5 in Österreich zwar beschlossene Sache, die Weiterfahrt in Tschechien wird sich aber nicht so schnell anpassen, weil die geplante Strecke durch ein Naturschutzgebiet läuft. Und während die Strecke nach Kleinhaugsdorf auf Österreichischer Seite (jetzt mal “nur” 3spurig) ausgebaut wird, ist jenseits der Grenze noch gar nix fix (Wozu auch? Die Verkehrswerte sprechen nicht dafür). Selbiges gilt für die Strecke von Linz nach Budweis… u.s.w.
Conclusio: grenzüberschreitenden Gedanken- und Informationsaustausch können die Grünen den offiziellen Behörden nur empfehlen. Gemeinsames Planen würde so manches “Nirvana” an der Grenze verhindern und so mancher Investition mehr Sinn verleihen!
Das Schließen der Lücken im grenzüberschreitenden Bahnverkehr würde nicht nur die Regionen erschließen, sondern auch zur Öffnung der Grenzen in den Köpfen beitragen!
Teilnehmer:
MdEP Michael Cramer
Michael Liebl, Vorsitzender des “Förderverein Ilztalbahn eV.”
Prof. Dr. Thomas Schempf, Geschäftsführer der Ilztalbahn GmbH
Stephan Bauer, grüner Stadtrat in Passau
Hermann Schoyerer, Mitarbeiter MdL Eike Hallitzky
Dalibor Strasky, 1. Vorsitzender der südböhm. Grünen
Jaroslav Neuzil, Mitglied im tschech. Grünen Parteirat und ökologischer Reiseunternehmer aus Prachatice
Hallo und guten Tag,
mit Freunden aus Süddeutschland, von denen einige im wesentlichen diese Tour organisierten, war ich vor einigen Wochen im bayerisch-böhmischen-österreichischen Grenzgebiet wandern und eines der erhebensten, eines der Fotos, die ich voller Freude machte, war das Bild an der steinernen Brücke nahe Haidmühle/Bischofsreut, vor dem Schild Staatsgrenze.
Berlin, West-Berlin habe ich immer nur von zahllosen Besuchen bei Freunden her gekannt, doch der Begriff der Staatsgrenze ließ mir auch in anderen Gegenden den kalten Schauer über den Rücken jagen. Um so freudiger und unbeschwerten wanderten wir entlang Goldener Steige, den Weg von Bischofsreut nach Cesky Zleby (eh. Böhm. Röhren), der in Prachatice endet, wobei wir Prachatice ebenso wie Cesky Krumlov, den beiden Städten mit ihren malerischen Ortsbildern – dies im wahrsten Wortsinne – einen Besuch abstatteten.
Vor zweieinhalb Jahrzehnten wäre diese unbefangene Grenzüberschreitung noch undenkbar gewesen, jeder, der behauptet hätte, dass dies mal möglich sein würde, wäre ein Phantast geschrien worden.
Ich kann alle Initiativen, die auf noch stärkere Verknüpfung zwischen den Gebieten diesseits und jenseits der ehemaligen terra incognita hinaus laufen, nur voller Freude begrüßen, so wie den Beschluss beider Stadtverordnetenversammlungen in Görlitz und Zgorzelec, zu einer gemeinsamen deutsch-polnischen Europastadt zusammenzuwachsen.
Bitten möchte ich Sie und Euch aber auch, im Zweifelsfall die parteipolitische Profilierung etwas hintenan zu stellen. Ich weiß von zahllosen Gesprächen, dass Dinge wachsen müssen. Weder dürfen Dinge schleifen gelassen werden, noch sollten sie über´s Knie gebrochen werden, dass Menschen sich überrumpelt fühlen, ehe sie richtig begriffen haben, welche Chancen in der Zusammenarbeit liegen.
Völlig selbstverständlich werden zweisprachige Informationsblätter und -broschüren herausgegeben, mustergültig für mich die Initiative zur 1000 Jahr-Feier des Goldenen Steiges. Für uns als Deutsche ist diese Zahl sicherlich gewöhnungsbedürftig und gefühlsmäßig klingt da auch immer etwas Ungeheuerlichkeit mit. Zu sehr wurde sie als Zahl von den NS-Schergen in Geiselhaft genommen.
Es gibt sowohl in Görlitz und mehr noch in Frankfurt/Oder eine Initiative für ein grenzüberschreitendes Straßenbahnprojekt hinüber über die Oder bzw. über die Neiße. Mittels Schienen und Oberleitung die sichtbarste Form des Zusammenwachsens.
Was kann nun konkret werden?
Eine Reaktivierung von Bahnstrecken auf bayerischer Seite wäre wunderbar, ersatzweise, ggf. als Vorlauf, eben ein schneller Vorlauf per Bus, um die Strecke in Nove Udoli zu erreichen, wo ich von Berlin und Prag herkommend, in Cecenice umsteigend, herkam. Eine Busverknüpfung besteht wohl auch schon. Ein Traum wäre ein gemeinsamer Tarif, der grenzüberschreitend ist, ggf. die Gründung eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Verkehrsunternehmens. Denn Nationalstaaten – die wir heute deutlich herabgestuft sehen im Vergleich zu früheren Zeiten – sie können nicht trennen, wenn die Region eins sein will. Mit Region meine ich das Gebiet im Städtedreieck Passau – Budejovice – Linz.
Ein Traum – ist es Phantasterei ? – wäre auch, Haidmühle, Nove Udoli und Ceske Zleby wüchsen zu einem Ort zusammen.
Herzliche Grüße
Helmut Krüger
Potsdam, vorher Hamburg und Flensburg