Als Diskussionsverweigerin hat sich die ÖBB bei der Thayatalbahn-Enquete am 30.10. in Thaya bewiesen. Trotz rechtzeitiger Einladung und an-sich-Zusage fand sich kein Vertreter der ÖBB ein.
Kein Wunder – es läge ja an der ÖBB (und am Verkehrsministerium) hier endlich aktiv zu werden und die Lücke im Bahnnetz zu schließen. Mit ein paar Kilometer Gleisbau könnte eine weitere Bahnverbindung nach Tschechien geschaffen werden und selbst wenn die ÖBB am Betrieb der Strecke nicht interessiert ist, fänden sich auch andere Betreiber. Jenseits der Grenze fährt der Zug.
Die ÖBB schläft, das Land Niederösterreich will auf ein Busnetz bauen (obwohl Detailpläne für die Bahnstrecke vom Land bezahlt wurden) – und die PendlerInnen bleiben auch hier auf der Strecke! Aber auch die Wirtschaft wird weiter zur Kasse gebeten – denn derzeit müssen 200.000 t Holztransporte entweder den Umweg über Wien oder gleich die Straße nehmen.
Die Verkehrspolitik von Bund und Land hat schon lange nichts mehr mit den Bedürfnissen der Bevölkerung zu tun! 3 neue Autobahnverbindungen nach Tschechien – aber keine Verbesserung bei der Bahn! Ganz im Gegenteil – der Fahrplan ins Waldviertel wird auch im Dezember wieder ausgedünnt. Da stellte sich bei der Enquete zurecht die Frage: “Haben nicht auch die WaldviertlerInnen einen Anspruch auf Mobilität?”
Als Mitarbeiter der Initiative Bahn Frei, die auch an der Vorbereitung dieser Veranstaltung mitgewirkt hat noch ein paar ergänzende Beobachtungen bei der Veranstaltung: Der immer wieder beschworene Schulterschluss der Waldviertler Abgeordnete in dieser Sache findet nicht statt: Auffallend war das fehlen sämtlicher ÖVP-Mandatare, wenn man/frau vom örtlichen Bürgermeister absieht. Auch die SPÖ-Abgeordneten waren lediglich durch Bundesrat Boden vertreten. Danke Elisabeth und Bettina für euer Kommen, um das grüne Interesse zu bekunden.
Die ÖBB kommen erst gar nicht hin und die Landes-ÖVP bastelt ein Buskonzept fürs Waldviertler ohne Beteiligung der Bevökerung und ohne Bezug zum bestehenden Bahnnetz. Das sind ja schöne Aussichten !!!! Und für alle , die das Wort Thayatalbahn zum dritten Mal in ihrem Leben hören: Die Thayatalbahn fuhr von 1906 bis 1945 von Schwarzenau nach Iglau/Jihlava, dann von 1945 – 1986 immerhin noch bis nach Gilgenberg nahe der tschechischen Grenze. Danach nur mehr Güterverkehr, das Hochwasser 2006 machte die Strecke dann tatsächlich unpassierbar.
Die Reaktivierung der Thayatalbahn ist von den geschichtlichen Zeiträumen her schon fast mit der Anti-Atom-Bewegung vergleichbar: Die Idee wurde schon 1990 nach Fall des eiseren Vorhangs favorisiert, im ersten NÖ.Landesverkehrskonzept startete sie mit Priorität 1, wurde leider von anderen Projekten ausgebremst und immer wieder verschoben. Nach einem grandiosen Zwischenfinale 2005, wo der Bau mit EU-Mitteln angekündigt wurde, gibts derzeit eine Schwächephase, die hoffentlich nicht zum Zusammenbruch der Vision führt. Die Thayatalbahn wäre die zweite Bahnverbindung des Waldviertels nach Tschechien und würde eine Lücke zwischen den bestehenden Bahngrenzübergängen Gmünd-Ceske Velenice und Satov (bei Retz und Znaim) schließen. Durch Untersuchungen wurde immer wieder nachgewiesen, dass genügend Potential im Güterverkehr besteht, aber vermutlich auch ein Personenverkehr sinnvoll wäre. Näheres unter http://www.verein-thayatalbahn.at.
Liebe Grüße Ewald Gärber
Liebe Bahnfreunde!
Ich begrüße die Initiative. Ebenso lange kämpfe ich bereits gegen die Ausdünnung, Aushungerung und Verschlechterung bzw. für den Ausbau der FJB und deren erneute Internationalisierung.
Ich würde vorschlagen, dass wir uns zu einer überregionalen Vereinsplattform der drei Gruppen FJB, Thayatal- und Kamptalbahn zusammenschließen.
Was die Thayatalbahn anbelangt, so wäre es im Rahmen des Wettbewerbes möglich, die Kosten in Grenzen zu halten, indem Unternehmen/Betriebe aus Tschechien die Arbeiten durchführen und auch das Material eingekauft wird. Unweit von Gmünd in Novy Hrady besteht ein Werk direkt neben dem Bahnhof, das günstige Holz- und Betonschwellen herstellt.
Wo steht geschrieben, dass die ohnehin desinteressierten ÖBB die teuren Arbeiten durchführen müssen? Der Vater Staat(=Volk) ist der Eigentümer des Schienen-Infrastrukturnetzes und der BVM ist der Eigentümervertreter. Es gibt keinen “gemeinwirtschaftlichen” Auftrag mehr wie zu Zeiten Kreisky’s und die Politiker haben uns lange genug den europäischen Wettbewerb eingeredet.
Bei ausländ. Auftragnehmern kämen die Kosten um die Hälfte billiger statt der veranschlagten 27 Mio. und auch ein ausländischer Betreiber könnte betriebswirtschaftlich betrachtet ein besseres Angebot bieten als die ÖBB.
@ ewald…
danke für die ergänzungen!
für mich persönlich ist die öbb in diesem spielchen der “blitzableiter” – denn letztendlich müsste die öbb ja den auftrag zum gleisbau vom bund – und den auftrag zur “bedienung” vom land bekommen. wobei ich jetzt nicht weiß, ob das verkehrsministerium auch eingeladen war…
das buskonzept in ehren – aber beim güterverkehr hilfts jedenfalls mal nix – und auch im personenverkehr ist die bahn nun mal was anderes!
@ gerald hohenbichler
als geborene eggenburgerin hab ich die fjb auch anders in erinnerung. damals war man noch stolz drauf, dass man über gmünd nach prag kommt – heut ist in gmünd endstation. und in wirklichkeit ist die fjb ja nach wie vor DIE verbindung für die waldviertlerInnen in die hauptstadt – und eine belebung der regionen, die sich das land immer wünscht, wird nur funktionieren können, wenn es auch eine GUTE öffentliche verkehrsanbindung der regionen an die großstädte gibt!
das “zusammensetzen” klingt sehr vernünftig, es müsste halt mal “wer” in die hand nehmen! – und dann gemeinsam alternativen suchen. denn ihrer meinung, dass bahnstrecken von der öbb errichten zu lassen wahrscheinlich nicht die kostengünstigste variante darstellt, da kann ich nur beipflichten.
@ überhaupt:
es gibt ja auch noch eine “lücke” in der verbindung wien/brünn (die 2 km zwischen laa und hevlin). von all diesen projekten wird schon eine ewigkeit geredet – aber vom reden wachsen halt die gleise nicht zsamm….
das ganze dillema ist hausgemacht. zig gruppierungen heften sich erfolge auf ihre fahnen, nur nützen tuts niemanden.
zeitungsartikel sind eine ehre, aber was geschieht weiter?
lippenbekenntnisse in ehren, da wirds nicht besser.
das waldviertel mit dem waldviertler lr gabmann könnte was bewegen, aber da ist nichts erkennbar.
die franzlbahn wird internationalisiert, oh wie löblich.
man hat sie ja deshalb elektrifiziert. zweigleisig war sie ja bis in die 60er.
nettotonnagen an holz nach brand sind zuwenig lukrativ, da der umweg von fast 300 km mehr geld bringt!
die chance telc 2009 ist vertan, sobald gibts keine weitere..
als wanderweg hat mir die trasse gut gefallen, bahn fährt dort sicher keine mehr.
schade, wo keine starke lobby, da geht halt nix.
sg herr buchinger,
aufgeben? naaaaaaaaaa…. es geht ja schon auch mit um die entwicklung der region. es gibt eh schon mehr waldviertler in wien als im waldviertel (ohne statistischen beleg) – und das hat schon auch was mit der erreichbarkeit einer region zu tun.
dass “die politik” manchmal langsamer reagiert als die kirche ist traurig aber wahr – dass sich die bedürfnisse der bevölkerung im bereich mobilität in den letzten jahren massiv verändert haben und die menschen öffentlichen verkehr einfordern wird aber irgendwann auch eine änderung der verkehrspolitik erzwingen.
so als karotte-vor-der-nase, die wir alle ab und zu mal brauchen :-)