Auch in Österreich gibt es radioaktives Material. Vielen ist das erst jetzt, durch den Unfall in einem IAEO-Labor in Seibersdorf, bewusst geworden. Glück gehabt – es ist nichts „Schlimmeres“ passiert. Die IAEO wird jetzt hoffentlich wirklich die Renovierung der Labors in Angriff nehmen – und auch ihre Informationspolitik! Dass gerade die Internationale Behörde in Österreich nicht sofort auf Transparenz setzt und Informationen weitergibt, ist allerdings sehr bedenklich.
Doch in Seibersdorf findet sich strahlendes Material nicht nur in den Labors der IAEO. Denn in Seibersdorf werden auch die in Österreich anfallenden radioaktiven Abfälle seit Jahrzehnten “zwischengelagert”.
Dabei handelt es sich großteils um schwach strahlendes Material aus Medizin, Industrie aber auch um Material aus der Forschung (darunter auch noch das Material, an dem Mdme Curie geforscht hat). Immerhin sind das 50 Fässer mit 200 l / Jahr, die anfallen.
Auch wenn das Material im Seibersdorfer Zwischenlager weniger gefährlich ist, als das Brennmaterial aus Atomkraftwerken, darf man nicht leichtsinnig damit umgehen! Wenn das Material wirklich so harmlos ist, wie BM Pröll das in einer Anfragebeantwortung aus 2006 darstellt, warum rückt er dann nicht mit genaueren Zahlen raus? Und warum können dann nicht die technischen Voraussetzungen für ein Endlager geschaffen werden?
BM Pröll baut darauf, dass das Material irgendwann im Ausland unter dem Titel ‚Risikoausgleich’ endgelagert werden kann und er sich deshalb nicht mehr mit der sicheren Endlagerung in Österreich beschäftigen muss. Welches Gegengeschäft könnte Österreich bei diesem Risikoausgleich anbieten? Den Verzicht auf die ohnehin kaum vorhandene Anti-Atompolitik? – Dass Österreichs nachlässiger Umgang mit dem eigenen Material in der Diskussion um Atomkraftwerke & die Endlagerungsproblematik nicht förderlich ist, ist jedenfalls klar.
Detail am Rande: der oberirdische Lagerplatz liegt an einer Einflugsschneise des Flughafen Wien. Die Verordnung einer Flugverbotszone (Fragen 16-19) ist lt. Pröll aber nicht zu rechtfertigen, weil das Material „eh nicht so aktiv“ und außerdem für eine rasche Brandbekämpfung gesorgt ist. Betreffend der Flugbewegungszahlen verwies er mich an den Verkehrsminister und über die angefragten genauen Berechnungen der Auswirkungen hüllte er sich in Schweigen.
Auf die Frage nach den Planungen für die Endlagerung der Abfälle (Frage 25) erklärte er, dass Österreich bis 2012 einen diesbezüglichen Standort im In- oder Ausland suchen wird, bis 2030 wird aber Seibersdorf noch auf dem Material sitzen bleiben.
