wir und unsere rechte
Mai 16, 2008 von elisabethkerschbaum
“wir haben ein recht auf nahrung, wärme und mobilität” - eine aussage des spö-nationalratsabgeordneten hannes bauer bei der gestrigen “tagung zur eu-richtlinie für erneuerbare energien” in wien, die mich ob ihrer undifferenziertheit wirklich betroffen macht. wer sind “wir” - und gibt es keine prioritätensetzung und keine standards?
wenn “wir” die gesamte weltbevölkerung ist und die standards sind die österreichischen - dann geht es sich nicht aus (und schon gar nicht, wenn man die standards der österreichischen ökoenergieförderung dazunimmt)! das müsste sogar einem spö abgeordneten einleuchten - möge er sich doch den ökologischen fußabdruck der österreicherInnen ansehen (1,8 ha/EW wären umweltverträglich - österreich liegt im schnitt bei 4,6 ha/EW).
oder nehmen wir die standards von indien her (bauer hat auch darauf hingewiesen, wie unfair es ist, dass indien seinen energiebedarf noch steigern darf - ökologischer fußabdruck indiens dzt. 0,8 ha/ew)?
die ignoranz gegenüber der tatsache, dass auch wir unser system ändern müssen, tut weh.
wird das öl knapp, produzieren wir eben biodiesel - eine änderung des verkehrsverhaltens? neeeeee - gerade bauer fordert ständig neue autobahnen…
die 10 % “bio”sprit-anteil können wir erreichen - na super - und was ist mit den anderen 90 %? bei einer jährlichen zuwachsrate des co2-ausstoßes im verkehrsbereich (dzt. fast 3 % jährlich) wird die co2-einsparung durch 10 % biosprit (50 % weniger co2 als benzin) in nicht einmal zwei jahren “aufgefressen” - ganz zu schweigen von den kosten für den einzelnen haushalt.
sparsamere autos (die eu geht nach wie vor vor der autolobby in die knie, wenns um verpflichtende abgaswerte geht - elektromobilität geht überhaupt unter) und öffentlicher verkehr auch für ländlichere gebiete würden eine effektivere (und langfristig effizientere) co2-einsparung bringen.
landwirte als energiewirte: eine schöne idee… - aber die naheliegendste und selbstverständlichste form der energienutzung: biogas aus gülle & abfällen steckt noch in den kinderschuhen. in diesem bereich sind mehr als 100 % thg-einsparung drinnen - denn gülle auf das feld aufgetragen dünstet ja auch einiges an methan aus. trotzdem werden noch schweineställe mit 100en tieren errichtet und die gülle landet auf dem feld. die erlaubte menge wurde im vorjahr sogar noch erhöht.
unser umweltminister ist auch landwirtschaftsminister (oder eigentlich umgekehrt) - der umweltlandesrat ist auch für die landwirtschaft zuständig. es wäre ein leichtes, hier zu einer höheren quote der biogasnutzung zu kommen - auch durch vorschriften und verpflichtungen - die landwirtschaftsminister- und landesräte müssten nur wollen!

