akw dukovany nur für österreich?
März 25, 2008 von elisabethkerschbaum
Der AKW-Ausbau-Stopp war eine der wichtigsten Errungenschaften, die die tschechischen Grünen ins Regierungsprogramm einbringen konnten. Für die eigene Versorgung braucht Tschechien keine neuen Atomkraftwerke. Schon Temelin arbeitet in erster Linie für den Export – in Länder wie Österreich, denen die Anstrengung eine Eigenversorgung anzustreben, offenbar zu groß ist.
Österreich importiert Atomstrom aus Tschechien in der Größenordnung der Produktion eines Reaktorblocks des AKW Dukovany (rd. 400 MW). Jetzt schwärmt der tschechische Premierminister Topolanek fast täglich vom Ausbau der AKWs Dukovany und Temelin und das offizielle Österreich verschweigt sich dazu. Kein Wunder Topolanek kann nur vom Ausbau schwärmen, weil er mit dem Export Geschäfte machen will.
Die österreichische Stromstatistik und die Online-Daten des tschechischen Stromnetzbetreibers CEPS beweisen, dass Österreichs Stromversorgung ist von tschechischem Atomstrom abhängig geworden. Schuld daran ist die jahrelange Untätigkeit der Bundesregierung in Sachen Energieeffizienz und Erneuerbare Energie. Wir lassen unseren “schmutzigen Strom” in Tschechien produzieren, weil Österreich ja stolz von sich behauptet, Atomkraft-frei zu sein.
Das Regierungsprogramm sieht noch eine “Fortsetzung der Anti-Atompolitik” vor. In Wirklichkeit gibts die in Österreich schon lang nicht mehr! Die Regierungsmitglieder betonen die Unabhängigkeit in der Entscheidung der EU-Mitgliedsstaaten in ihrer Energieversorgung - und die Wichtigkeit internationaler Hochspannungsnetze wie der 380 kV Leitung Dürnrohr/Slavetice, die ausgebaut werden soll, um noch mehr Atomstrom nach Österreich zu bringen.
In Tschechien versucht Premierminister Topolanek jetzt seine grünen Koalitionspartner davon zu überzeugen, dass ohne zusätzliche AKWs die Lichter ausgehen. Das Risiko für Umwelt und Bevölkerung, die diese Technologie nach wie vor mit sich bringt, und das durch keine Versicherung ausreichend gedeckt ist, trifft in erster Linie die tschechische Bevölkerung, aber auch Österreich. Doch wer profitiert von der steigenden Atomstromproduktion? Der Uranpreis hat sich seit 2001 versechsfacht hat und es ist klar, dass die Ressourcen nicht reichen. Wer glaubt noch daran, dass mit Atomenergie der Energiebedarf der Zukunft zu decken ist?